Sparen um des Sparens Willen

Welchen Effekt Gutscheine auf das Einkaufsverhalten haben können, wurde erst Ende 2012 einmal mehr sichtbar – wenn auch auf fast schon tragische Weise. Durch eine technische Panne gerieten Gutscheine in Umlauf, die eigentlich gar nicht existierten. Betroffen davon waren etwa 50.000 Kunden, die in kürzester Zeit zugeschlagen hatten. Die Bestellungen in Millionenhöhe wurden von Otto folglich storniert und somit für ungültig erklärt. Abgesehen von organisatorischem Chaos und einigen enttäuschten Gesichtern blieb der Vorfall also ohne größere Konsequenzen, zeigte aber anschaulich, welchen Stellenwert Online-Gutscheine mittlerweile haben.

 

Coupons auf dem Vormarsch

Kein ganzes Jahr zuvor, nämlich Anfang 2012, sorgte eine andere Meldung aus dem Bereich des Online-Couponing für Aufsehen.  Kein geringeres Unternehmen als RTL kaufte nämlich den Coupon-Anbieter gutscheine.de. Als Grund für diese strategische Bewegung führte der Medienkonzern das enorme Wachstumspotenzial der Branche an. Und das zu Recht. Basierend auf einer Emnid-Umfrage von 2011 haben 80 Prozent aller Shopper schon mindestens einmal einen Online-Gutschein eingelöst. Wie gesagt: Das war 2011. Es bedarf nicht viel Vorstellungskraft, um die heutigen Verhältnisse in etwa abzuschätzen. Die verschiedenen Facetten des Couponings bestätigen die Kraft dieses Marktes.

 

Mehrere florierende Geschäftsmodelle

Neben den klassischen Coupons sind auch Gruppenrabatte seit geraumer Zeit weit verbreitet. MyDeal und Groupon sind die bekanntesten Namen aus diesem Bereich im deutschsprachigen Raum. Die grundlegende Idee ist allerdings schon über zehn Jahre alt. Letsbuyit.com galt als eines der innovativsten und profitabelsten Unternehmen der frühen Nuller-Jahre, bevor es der Dotcom-Blase zum Opfer fiel wie so viele andere hochgehandelte Web-Ventures. Umso vielsagender also, dass dieses Prinzip bis heute überlebt und mittlerweile ganz neue Sphären erreicht hat.

 

Auf den Schultern des mobilen Internet

Doch auch bei den Single-Coupons muss zwischen zwei Modellen unterschieden werden: den mobilen und den stationären. Letztere werden beim Online-Shopping eingesetzt, also zuhause am eigenen PC, wenn es an die Kasse von Amazon & Co. geht. Beinahe noch wichtiger sind allerdings die mobilen Gutscheine. Diese setzen natürlich internetfähige Endgeräte voraus, was heute jedoch kaum noch ein Problem in der westlichen Hemisphäre ist. Spontankäufe werden dadurch stark begünstigt, da viele Apps wie etwa Coupies bei Bedarf aufzeigen, welche Rabattmöglichkeiten es in der realen Umgebung gibt. Somit wird auch zum Einkauf angeregt, wenn man eigentlich ohne explizites Shopping-Vorhaben aus dem Haus gegangen ist. Auch das Einläsen des Gutscheins ist denkbar unkompliziert; er muss lediglich an der Kasse auf dem Smartphone-Display vorgezeigt werden.

 

Gewinne auf beiden Seiten

Die Verbreitung von Internet (sowohl mobil als auch im Heim) ist ohne Frage die technische Grundlage für den Coupon-Boom. Möglich wurde das jedoch nur durch eine Gesetzesänderung im Jahr 2001. Der Wegfall des deutschen Rabattgesetzes öffnete den neuen Coupon-Konzepten überhaupt erst die rechtlichen Türen, um in den Folgejahren umgesetzt werden zu können. Davon haben auch die Verkäufer profitiert: Ob zur Neukundenbindung oder zur Kundenbindung sind Online-Coupons erstklassige Instrumente. Umgekehrt muss der Nutzen für Einkäufer wohl kaum näher erläutert werden. Und durch die gestiegene Zahl der Kommunikationswege wird auch die Wahrscheinlichkeit, einen lukrativen Gutschein zu verpassen, immer geringer. Facebook, Twitter und Co. sorgen nämlich für eine schnelle Verbreitung auf allen Ebenen des Web 2.0, wie Otto und seine Kundschaft bereits feststellen mussten.

 

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